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Start 04-2010

Wir hören: Rosita Serrano "Vieni, Vieni"  Orchesterbegleitung Telefunken Berlin, 1938

 

Vorwort

Liebe Besucher,

diese Homepage ist eine Sammlung von Musik, Fotos und Videos verschiedener Themen.

Ein wichtiges Anliegen ist es, alte feine Kunst vergangener Zeiten dem dekadent groben, lauten und schreienden Geschmack von heute gegenüberzustellen.

Leider haben etliche Musiklehrer ganz bewusst die alte Ausbildungslinie verlassen und bauen auf "Kraft" und sogenanntes "Tonvolumen", was auf Dauer die alte Kunst immer mehr zerstört hat. So hören wir heute immer öfter die hohlklingenden schreienden Stimmen in der Oper und  forciertes Gegröle in der Unterhaltungs- wie auch Protestmusik.

                                                                               Gitta Alpar

Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, wo wir schon als Kinder für OpernsängerInnen nur Spott übrig hatten; nicht allein, weil  uns diese Musik nicht genügend nahegebracht wurde, sondern weil schon eine gewisse unangenehme Art [das sind grobe, unnötig lächerliche Mundbewegungen, schreiendes Singen und Körperbewegungen die Höhenerzwingung nachahmen] uns ablehnend machte, was dann in Trickfilm- oder Puppenspielaufnahmen nochmal extra übertrieben wird (Halsrecken beim hohen C) und somit weiter Lächerlichkeit impliziert [ähnlich wie Kindern in Zeichnungen und Kinderfernsehsendungen das Trompetespiel so demonstriert wird als würden Trompeter mit prallen Backen und knallrotem Kopf das Instrument traktieren]; wiederum nicht zuletzt, weil immer mehr Sänger und Sängerinnen in Kirchen- und anderen Chören immer mehr Wert auf weitaufgerissene Münder legen als auf das Singen selbst.

 

                                                                                                    Rosita Serrano

Leider wird auch immer mehr Klamauk angeboten, um auch die Banausen zufriedenzustellen, die scheinbar nur in Konzerte gehen, um permanent laut ohne Taschentuch zu husten. Selbst große Stücke wie der Frühlingsstimmenwalzer werden schon mit Clownerie dargeboten; dafür fehlt -natürlich- der Charme und die Feinheit des geistreichen Orchesters, welches dann oft einfach durch ein holzig gespieltes Klavier ersetzt wird oder eine Hammelherde, die sich "Orchester" nennt = alles bolzt, trötet und kampfgeigt wild-egozentrisch gegeneinander.

Genauso wird mit laut und leise verfahren; laut wird polternd und grob eingesetzt und leise gibt es kaum noch; nun, es sind alldies typische Zeichen einer dekadenten Zeit die auf Zoten und Schenkelklopfer baut und ich kann nur bejahend verstehen, wenn einige Kritiker die moderne Violine mancher Stars treffsicher als "Kampfgeige"  bezeichnen. Vom Klavier garnicht zu reden, ohne in Rage zu geraten.

Nein. Es geht hier nicht darum, lieblos zu kritisieren und zahlreiche fleißige Künstler unserer Zeit zu diskreditieren; allein, es hat sich etwas zum Schlechten entwickelt und wir wissen ja, wenn der Damm einmal gebrochen ist ...

So stehen wir heute am Rande einer kulturellen Katastrophe, wo forciertes Rock- und Pop- Gegröle mit hart-holzigen oder jauligen musikalischen Begleitungen bis in die höchsten Kreise als Musik bezeichnet wird; Musik, die offen und unverblümt dämonisch ist und deren Inhalte die Hörer in einen derartig vergifteten Zustand versetzt haben, dass sie einem Widerhaken -einer Sucht- gleich, sich keine Loslösung davon vorstellen wollen; ein Zeichen, dass das Gejammer mit Proteststimmen [und teils schlimmer] nicht nur eine Mode, sondern der dämonische Endzustand ist, die Menschen in grundlose Proteststimmung und Egoismus zu versetzen.

Die Lebensfreude, wie sie die Sopranistinnen früherer Zeiten ausstrahlen, ist in heutigen Veranstaltungen kaum noch zu sehen. Eine unbeschwerte Entwicklung ist aber wichtig.
Um einem Missverständnis vorzubeugen: Unter "Lebensfreude" verstehe ich nicht die sogenannten "Volkslieder" im TV, wo "fröhliche" Musikanten (aus Bayern?) unter kommerziellen Grinsegesichtern Akkordeons hin- und herreißen...

Wir hören hier unter anderem ältere Aufnahmen gutausgebildeter Sopranistinnen. Übrigens: Wir lesen in mittelalterlichen Schriften immer wieder vom mühelosen [!] F''', eine Vorgabe, die bei falscher Ausbildung ungläubiges Kopfschütteln erzeugt. Aber nur so ist an ein viergestrichenes C und höher zu denken; ohne Krampf und Erzwingen*.

Es geht aber nicht darum, Leistungen zu schmälern, sondern einen Gesamttrend aufzuzeigen.

Die Zeit würde zu kurz und die Arbeit zu viel, wenn wir hier auch die Leistungen aller großartiger Sopranistinnen ehren würden wie: Hedwig Voltz, Claudia Muzio, Ebe Stignani, Meta Seinemeyer, Selma Kurz, Melitta Heim, Rosa Ponselle, Fritzy Masari, Marise Beaujon, Maria Reining, Ada Sari, Lea Piltti, Edda Moser, Bogna Sokorska, Anna Moffo, Rita Streich, Eva Lind.
Von den Clownerien wie die Sängerin Nazlı Deniz Boran über sich ergehen lassen muss, weil Dirigent und Orchester sie gar nicht singen lassen, wollen wir nicht groß reden. Und auch Alize Rozsnyai kann einem nur leid tun, bei unruhig-banausigem Publikum und drittklassigem Orchster mit Möchtergerndirigenten in einem Kirchenraum [!] gute Miene zu bösem Spiel machen zu müssen.

Peter Schreiber

 

* Um einem Missverständnis vorzubeugen:
Es soll hier nicht der Eindruck vermittelt werden, dass jeder Mensch alles lernen und erreichen kann: Natürlich nur bei besonderer Begabung!


 

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